Neue Studien zu zirkulärem Wirtschaften in Berlin: Potenziale für Textilien, Bauen und Elektronik

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Projekt CIBER

► Innovationsökosystem für neue Produktnutzungssysteme: Berlin auf dem Weg zur Circular City

► Neue Praktiken zeigen, wie nächste Generation der Kreislaufwirtschaft aussehen wird


Berlin im Mai 2021 – Innovative Reparaturkonzepte, Tausch- und Verleihplattformen, E-Commerce, Vermittlungsbörsen für geteilte Güternutzung und anderes mehr – neue und vielfältige Praktiken zeigen, wie eine nächste Generation der Kreislaufwirtschaft aussehen kann. Gerade in Berlin ist in den letzten Jahren ein „Innovationsökosystem“ für neue Produktnutzungssysteme entstanden, so das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) und das Ecologic Institut in einer Reihe neuer Studien. Im Projekt „Circular City Berlin“ analysieren die Forschungspartner innovative Ansätze der Kreislaufwirtschaft in Berlin mit Schwerpunkt auf Textilien, Bauen und Elektro- und Elektronikprodukte. Das Projekt ist Teil des Forschungsverbunds Ecornet Berlin und wird vom Regierenden Bürgermeister, Senatskanzlei – Wissenschaft und Forschung gefördert.

Berliner Innovationsszene: entscheidende Akteurslandschaft für zirkuläres Wirtschaften

„Das Innovationsökosystem in Berlin basiert darauf, dass eine Vielzahl von Akteuren und Umfeldbedingungen zusammenwirken“, so Zukunftsforscher Siegfried Behrend vom IZT. „Die Innovationsszene aus Re-Use-Akteuren, Sharing-Anbietern, Repair-Cafés, Upcycling-Anbietern, Startups, Plattformen oder Innovation-Labs stellt die entscheidende Akteurslandschaft im Ökosystem dar.“ Geprägt wird das Innovationssystem von politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen, Anreizstrukturen und Fördermaßnahmen. Universitäten, Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sind Impulsgeber, forschen an neuen Lösungen und haben eine Transferfunktion. Mit Transfer- und Entrepreneurship-Programmen unterstützen sie die Gründung von Startups.

Für die Entwicklung der Circular Economy sind aber nicht nur neue Angebote wichtig, sondern auch eine Veränderung der Nachfrage. Die Vision einer Circular City Berlin ist darauf angewiesen, angebots- und nachfrageseitigen Wandel zu synchronisieren. Um Transformationsprozesse im Life-Cycle-Designing, bei der Nutzungsdauerverlängerung, der Nutzungsintensivierung und der Materialneunutzung anzustoßen, müssen abfallrechtliche Strategien mit flankierenden Maßnahmen auf anderen politischen Entscheidungsebenen, insbesondere der Beschaffung sowie Wirtschafts- und Verbraucherpolitik zusammenspielen.

Zur Studie: Circular City Berlin – Kreislaufwirtschaft der zweiten Generation

Textilien: Zahlreiche Start-ups für zirkuläre Produkte und Dienstleistungen in Berlin

In Berlin ist eine vielfältige Innovationslandschaft für zirkuläre Textilien entstanden. Hervorzuheben sind zahlreiche Start-ups in der Verleihung von Kleidung, Secondhand-Plattformen, Recommerce, Upcycling sowie nachhaltige und zirkuläre Modelabels. Wichtige Voraussetzung für die Konzepte ist die Erfassung der Materialströme wie Alttextilien, Produktionsabfälle, Retouren oder Überhänge in der Stadt. Auch ist die Aktivierung von Verbrauchern wichtig, um die Nachfrage nach neuen zirkulären Produkten und Dienstleistungen zu erhöhen. Ebenso kann die öffentliche Beschaffung einen wichtigen Beitrag leisten.

Zur Studie: Zirkuläre Innovationen im Bereich Textilien in Berlin

Vielfältige Initiativen im Bereich zirkuläres Bauen

Das Schumacher-Quartier in Holzbauweise am Standort des ehemaligen Flughafen Berlin-Tegels oder die Verlängerung der Lebensdauer des Hauses der Statistik am Alexanderplatz beherbergt bereits vielfältige Initiativen, die Kreislaufwirtschaft im Bereich Bauen umsetzen. Welche Rahmenbedingungen und Ansätze unterstützend wirken, um zirkuläres Bauen noch weiter zu stärken, untersucht diese Studie:

Zur Studie: Zirkuläre Innovationen im Bereich Bauen in Berlin

Elektro- und Elektronik: Sehr großes Marktpotenzial für den Handel mit Gebrauchtprodukten

Etwa 244 Gegenstände, die zwar noch funktionstüchtig sind, aber nicht mehr verwendet werden, gibt es im Durchschnitt in jedem Berliner Haushalt. Darunter eine signifikante Menge an Elektro- und Elektronikgeräten. Hochgerechnet auf alle Berliner Haushalte sind dies etwa 680.000 Laptops, mit einem durchschnittlichen Wert von 158 Euro pro Gerät. Auch liegen geschätzte vier Millionen funktionstüchtige Handys ungenutzt herum. Wenn nur ein Prozent davon wiederverwendet werden würde, wären dies 6.800 Laptops und 40.000 Handys. Das Wiederverwendungspotenzial von Elektro- und Elektronikgeräten sowie das Marktpotenzial für den Handel von Gebrauchtprodukten in Berlin ist sehr groß. Für neue Ideen, Initiativen, Start-ups und Geschäftsmodelle müsste die bestehende Förderkulisse ausgebaut werden. Handlungsbedarf gibt es bei der Erschließung neuer Zielgruppen für Re-Use und einer stärkeren Ausrichtung der öffentlichen Beschaffung auf zirkuläre Elektro- und Elektronikgeräte.

Zur Studie: Zirkuläre Innovationen im Bereich Elektro- und Elektronikprodukte in Berlin


Fachkontakt: 

Dr. Siegfried Behrendt
IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung gemeinnützige GmbH
Telefon:+49 30 80 30 88-10
E-Mail: s.behrendt@izt.de

Pressekontakt:

Richard Harnisch
Pressestelle, Forschungsverbund Ecornet Berlin
Telefon: +49 30 884 594-16
E-Mail: richard.harnisch@ioew.de

Schlagworte

Circular City, Kreislaufwirtschaft, Innovationsökosystem, Bauen, Textilien, Elektronik